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Hasso von Haldenwang

 

Friedrich von Praun 1888-1944

Ein vergessener Zeuge des Widerstands

 

 

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Einige Anmerkungen zu meinem Buch über Friedrich von Praun:

"Dann läutete die Hausglocke, er ging hinunter u. kam schreckensblaß herauf gesprungen. Hielt sich an der Marmorplatte des Waschtisches u. sagte – ‚Ich bin verhaftet!‘- Ich – ‚Da muß ich aufstehn und Dein Sach packen!" (Zitat aus dem Erinnerungen seiner Witwe Irene von Praun, geb. Freiin von Seckendorff-Gutend)  

Friedrich von Praun, aus altem Nürnberger Patriziergeschlecht, Ritter und Werkmeister des Johanniter-Ordens in Bayern und unter Landesbischof Hans Meiser Vorstand der Evang.-Luth. Landeskirchenstelle Ansbach, war schon frühzeitig ins Visier der Nationalsozialisten geraten. Er verweigerte den Hitlergruß und das Hissen der Hakenkreuzfahne auf seinem Amtssitz, ließ sich den Mund nicht durch die Reichskirche verbieten und trat unerschrocken für die Bekennende Kirche ein.

Von zwei jungen SD-Parteifunktionärinnen denunziert, wurde er von der Gestapo verhaftet und während seiner halbjährigen Untersuchungshaft von den Schergen der braunen Diktatur geschunden. Selbst sein Bischof Hans Meiser stand ihm nicht bei. Der Prozess, vor dem Sondergericht in Nürnberg begonnen, sollte wegen seiner politischen Bedeutung durch Freisler neu verhandelt werden, das hätte von Prauns sicheren Tod bedeutet. Am Morgen des 19. April 1944 fand man ihn, wie es hieß, in seiner Zelle tot auf. Die Todesumstände sind bis heute ungeklärt.

Nach Jahrzehnten des Schweigens der Öffentlichkeit trete ich mit meiner Biografie über Friedrich von Praun für die längst überfällige angemessene Würdigung des Märtyrers und treuen Streiters für seine Überzeugung und gegen die Diktatur des Nationalsozialismus ein.

Zum Gedenken an die 124. Wiederkehr des Geburtstages Friedrich von Prauns lud Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm zu einer Andacht am 21. Juli 2012 in die Evang.-Luth. Markuskirche Fichtenau-Unterdeufstetten ein. Regionalbischof Christian Schmidt leitete die feierliche Gedenkandacht. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Fichtenauer Gemeinschaftschor, bestehend aus dem evangelischen, dem katholischen und dem Wildenstein-Bernhardsweiler-Chor unter Chorleiter Maximilian Stoessel, der den Soloteil aus Wilhelm Kienzls Oper  "Der Evangelimann", "Selig sind die Verfolgung leiden ...", sang. Meiner Ansprache zur Erinnerung an Friedrich von Praun folgte eine Kranzniederlegung an der Familiengruft der Freiherrn von Seckendorff-Gutend in Unterdeufstetten, wo Friedrich von Praun beigesetzt ist, durch Regionalbischof Christian Schmidt und Herrn Wolfgang Janowsky, Direktor der Evang.-Luth. Landeskirchenstelle Ansbach, in Anwesenheit von Herrn Dekan Dr. Winfried Dalferth, Crailsheim, und Herrn Bürgermeister Martin Piott, Fichtenau. Zahlreiche Bürger aus nah und fern und Vertreter der Presse  nahmen an der Feier teil.

Am 26. Juli 2012 fand ein weiterer Gottesdienst zum Gedenken an Friedrich von Praun in der Evang.-Luth. St. Gumbertus-Kirche, Schwanenritterkapelle, Ansbach, statt. Die Predigt hielt Landesbischof Prof. Dr. Bedford-Strohm, Liturg war Regionalbischof Christian Schmidt. Sodann empfing die Evang.-Luth. Landeskirche die geladenen Gäste im Gemeindezentrum Beringershof. Nach der Vorstellung meines Buches über Friedrich von Praun durch Herrn Pfarrer Dr. Björn Mensing, Versöhnungskirche Dachau, folgten Grußworte von Herrn Dr. Peter Seißer, Vizepräsident der Landessynode, von Prof. Dr. Dietrich von Schweinitz, Kommendator der Bayerischen Kommende des Johanniterordens, von Herrn Bürgermeister Thomas Deffner von der Stadt Ansbach und meine Ansprache. Kirchenmusikdirektor Rainer Goede spielte die Zwischenmusiken am Cembalo. Mit einem Imbiss schloss die Feierstunde. Danach enthüllten der Landesbischof und  Vizepräsident Dr. Peter Seißer am Dienstgebäude der Landeskirchenstelle eine Gedenktafel für Friedrich von Praun. Zum Abschluss wurde der Dokumentarfilm des Bayerischen Rundfunks von Jutta Neupert-Liu über Friedrich von Praun gezeigt.

Die Gedenktafel hat folgenden Wortlaut: 

Der Kirchenjurist Friedrich von Praun, seit 1930 in diesem Gebäude Leiter der Landeskirchenstelle, widersetzte sich ab 1933 der Gleichschaltung, wurde als NS-Gegner denunziert und am 18. Oktober 1943 verhaftet. Am 19. April 1944 starb er unter ungeklärten Umständen im Nürnberger Gefängnis. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern holt die lange unterlassene Würdigung Friedrich von Prauns nach und ehrt ihn als Glaubenszeugen und Opfer des Nationalsozialismus.
Juli 2012

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. (Matthäus 5,10)

Die Evang.-Luth. Landeskirche beabsichtigt, das in Ansbach an der Bischof-Meiser-Straße 16 gelegene Gebäude, den Dienstsitz der Landeskirchenstelle, künftig offiziell Friedrich-von-Praun-Haus zu bezeichnen.

Das Buch über Friedrich von Praun enthält ein Geleitwort des Landesbischofs Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm. Wenn Sie mehr über das Leben und das tragische Geschick Friedrich von Prauns erfahren wollen, können Sie mein Buch, wie eingangs beschrieben, bestellen. Es ist im Selbstverlag als Hardcover, fadengeheftet erschienen, enthält 240 Seiten, über 20 Abbildungen und viele Zeitzeugnisse sowie einen umfassenden dokumentarischen Anhang.

Ich nehme mit dem Titel Friedrich von Praun 1888-1944 Ein vergessener Zeuge des Widerstands an der Frankfurter Buchmesse vom 10. bis 14. Oktober 2012 teil. Er wird am Stand der Gemeinschaftpräsentation von Klein- und Selbstverlagen in Halle 3.1 gezeigt werden.

Mein besonderer Dank für die Realisierung meiner Arbeit gilt den vielen hilfsbereiten Mitarbeitern im Landesarchiv Baden-Württemberg Ludwigsburg, im Landeskirchlichen Archiv Nürnberg, im Staats- und im Stadtarchiv Nürnberg, in der Evang.-Luth. Landeskirchenstelle Ansbach und im Henri-Arnaud-Haus in Schönenberg. Besonders danke ich Dr. Martin Bogdahn, Ludwig Graf zu Dohna-Schlobitten, Klaus Hannen, Dr. Hans-Peter Hübner, Dr. Albert de Lange, Werner Paulus († 2010), Dr. Reinhard Rusam und Rainer Graf von Seckendorff-Aberdar. Vor allem möchte ich Dr. Björn Mensing dafür danken, dass er sich der Mühe des Fachlektorats unterzogen hat. Meiner lieben Ehefrau Ulrike danke ich für ihren kritischen, unverdrossen konstruktiven Beistand.     

Ich danke dem Landeskirchenrat der Evang.-Luth. Kirche in Bayern sowie der Bayerischen und der Baden-Württembergischen Kommende des Johanniterordens für die großzügige finanzielle Unterstützung der Drucklegung. Auch dem Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ist für seinen Druckkostenbeitrag zu danken.

In diesem Sinne fand am 2.11.2017 in Nürnberg die Finissage der Veranstaltung 'Was konnten sie tun?' u. a. des Evangelischen Bundes Bayern (EBB) und der Nürnberger Initiative 'Strassennamen für den Widerstand' statt. Neben Herrn Dr. E. Dietzfelbinger und Herrn Dekan U. Spahlinger, erhielt ich Gelegenheit, über Friedrich von Praun, Person des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, zu referieren.

Zum 130. Geburtstag von Prauns am 21. Juli 2018 ist in Nürnberg eine ihn besonders würdigende Veranstaltung geplant.

Aus dem reichhaltigen Presse-Echo soll lediglich das in der Südwest-Presse (Hohenloher Tagblatt vom 15. August 2012) abgedruckte Interview einen Eindruck von meiner Sichtweise geben.